Menschen im Blickpunkt: Nikola Endres 1


Nikola Endres: 22 Jahre jung, derzeit in einer Schreiner-Lehre, Gewinner des dds-preises 2014.
Privat: wird auf die Umwelt geachtet.
Beim Schreinern: versucht er mit zeitlosem Design und ausgeklügeltem planen seiner Produkte, sie ein Leben lang nützlich und brauchbar zu machen.

Wie bist du zum Schreinern gekommen?
Ich weiß nicht genau, nach meinem Abitur wollte ich eigentlich Produktdesign studieren. Habe mich aber irgendwie gleichzeitig schon nach Schreinereien umgeschaut, die interessante Projekte machen. Nach einem Praktikum bei Stefan Diez bin ich dann ins Ausland. Hier hat sich dann der Plan der Schreinerausbildung gefestigt. Mir wurde dann klar, dass so eine Ausbildung genau das richtige ist, wenn man handwerklich und gestalterisch arbeiten möchte. Und studieren kann man mit 30 auch noch….

Wie verbindest du Schreinern mit Nachhaltigkeit?
Schreinern ist dann nachhaltig, wenn man mit regionalen Hölzern Möbel oder Produkte herstellt, die so hochwertig verarbeitet sind, dass sie einen ein Leben lang begleiten können, die so gut geplant sind, dass sie auch ein Leben lang nützlich und brauchbar sind und die so gestaltet sind, dass sie mit der Zeit immer schöner werden.

NikolaEndres

Was macht dir beim Schreinern am meisten Spass?
Dass man vor einem Problem oder einer Aufgabe steht, wie: ich brauche einen Kleiderschrank. Dann muss man so viel Aspekte beachten und beginnt mit der Planung. Nutzen, Ästhetik, Form usw. Alles führt dann zu einem Ergebnis. Und das beste daran: das hat man sich alles selbst überlegt. Damit steht man dann natürlich auch in der Verantwortung. Aber mit der Zeit kommt die Erfahrung. Und kein Möbel ist wie das Andere. Ja und dann druck ich meine Pläne aus und geh in die Werkstatt.
Jeden Tag ist dann ein Fortschritt zu beobachten und das ist das schöne. Man sieht immer was man gemacht hat. Aber das coolste ist einfach, wenn man zum Schluss dann in seinem Zimmer den Schrank stehen hat und sich denkt: wow, vor zwei Wochen war das nur eine Idee in meinem Kopf und jetzt steht das Ding vor mir. Das ist das, warum man Schreiner ist.

Mit welchem Holz arbeitest du am liebsten und warum?
Das kann man schwer sagen. Alle Hölzer haben so ihren Einsatzbereich würde ich sagen. Zirbe für Betten, weil der Geruch sehr angenehm ist und man besser drauf schläft. Eiche ist ein Holz, wenn es richtig stabil sein soll, auch bei dünnen Querschnitten. Tanne ist sehr fein und leicht, für Kleiderschränke meiner Meinung nach. Und aus Kirsche und Rüster habe ich zwei Sekretäre gebaut, einfach weil es sehr edle Hölzer sind. Tropenhölzer sind nicht so mein Ding.

Wenn Geld keine Rolle spielen würde: Was würdest du gerne mal für dich selbst schreinern?
Ich glaube man sollte fragen wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würde. Meist ist die Arbeitszeit das teurere an einem Möbelstück.
So pauschal kann ich das leider nicht sagen. Ich baue ja Einzelmöbel zum Großteil, aber die teuren Sachen sind eher so Innenausbau.
Aber ich glaube, ich würde mir aus Mooreiche einen richtig guten Sekretär bauen, bei dem ich auf nichts verzichte. Schlösser mit neodym Magneten, Beschläge aus Messing anfertigen lassen, Linoleum Schreibfläche und ein richtig cooles Geheimfach. Ja, das wäre richtig cool.

 Wenn man nach dir „googlet“ findet man unter anderem diese Überschift: „Nicola Endres siegt bei dds-Preis 2014.
DDS ist ein Schreinermagazin und prämiert seid 2013 mit der Franckschen Stiftung junge kreative Schreiner. Dieses Jahr hab ich dann meine Mappe mit Fotos von Möbeln und anderen Projekten mit verschiedenen Materialien eingeschickt und irgendwann bekam ich dann einen Anruf, dass ich den ersten Platz gewonnen hätte. Ich hab mich riesig gefreut und freue mich immer wieder wenn ich dran denke. Für jeden NikolaEndresjungen Handwerker und Gestalter ist das eine große Sache, wenn die Produkte und Projekte die man so umgesetzt hat, auch anderen gefallen. Das motiviert einen ungemein. Und das Preisgeld war noch die Krönung. Dadurch konnte ich mir für neue Projekte Materialien besorgen und es war nicht ganz so schlimm, wenn mal was in die Hose ging.

Was machst du aktuell für Projekte und was hast du noch vor?
Aktuell entwerfe ich mit einem Freund einen kompakten Kleiderschrank aus Fichte und altem Stadlholz. Für meine Schule hab ich mit einem Mitschüler einen Klappstuhl entwickelt, den wir bald für uns Schüler und für den Verkauf fertigen. Und ein Bett muss ich auch noch machen.  Ab nächstem Jahr steht dann das Gesellenstück an. Was das wird, das wüsste ich auch gerne schon. Hab aber noch überhaupt keine Idee.

Weisst du, ob deine Schreinerschule sich für die Umwelt einsetzt?
Na klar. Wir haben jedes Jahr eine Baumpflanzaktion bei der die gesamte Schule über 5000 Bäume in regionalen Schutzwaldgebieten pflanzt.
Außerdem hat die Schule im Keller eine eigene Pallet Maschine, die die Sägespäne gleich zu verheizbaren Pallets zusammenpresst.
Bei Hölzern ist man sich auch einig: Tropenhölzer sind absolut tabu. Die Hölzer aus der Umgebung sind einfach wunderschön und ein Holz das tausende Kilometer geschifft wird, hat keinen besseren ökologischen Fußabdruck als wie ein Stück Plastik aus China.

Lebst du privat auch umweltfreundlich und wenn ja wie?
Ja auf jeden Fall. Ich trenne Müll, kaufe nur Recycling Papiere, essen wenig Fleisch, aber dafür gutes vom Metzger nebenan und kaufe Bio-Produkte. Strom wird ausgeschaltet wo er nicht gebraucht wird, bewege mich hauptsächlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das was glaub ich so üblich ist bei uns. Und ich schmeiße auch nicht einfach irgendeinen Müll in die Wiese…
Außerdem kaufe ich auch meine T-Shirts und Pullis bei Fairtrade und Ökologisch verifizierten Herstellern und fahre mit „weniger ist mehr“ ziemlich gut.
Man sollte schon drauf achten, wo und wie die Sachen die man täglich trägt, hergestellt werden. Hab mir letztens ein Tshirt aus Bambus gekauft und muss sagen, ist angenehmer als Baumwolle.Like auch Niko´s Facebook-Seite! 

 


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Ein Gedanke zu “Menschen im Blickpunkt: Nikola Endres

  • Gast

    Schöne Serie auf jeden Fall! Interessante Leute suchst du da immer raus.
    Keep it up!

    Cheers,
    Jay