Im Dialog mit Hr. Huismann


Schon mit 9 Jahren habe ich in meiner Umgebung  für den WWF Geld gesammelt. Jetzt wird mein Bild vom WWF erschüttert. Doch mir haben sich einige Fragen aufgetan, nachdem ich den Film „Der Pakt mit dem Panda“ gesehen habe.

GreenSeconds: Wie ist der aktuelle Stand im Verhältnis zwischen ihnen und dem WWF?

Hr. Huismann: Zum Schwarzbuch haben wir einen Vergleich erzielt. Meine Kritik muss ich nicht abschwächen, aber an einigen Stellen des Buches wird deutlicher, wie der WWF seine Haltung begründet- zum Beispiel, warum er in internationalen Runden Tischen mit Konzernen wie MONSANTO zusammenarbeitet. Was den Film „Der Pakt mit dem Panda betrifft“, hat die erste mündliche Verhandlung des Gerichtes in Köln stattgefunden. Das Gericht hat angedeutet, dass der WWF auch beim Film keine Chancen hat, die von ihm beanstandeten Passagen verbieten zu lassen. Mein Verhältnis zum WWF ist also, zusammengefasst, nach wie vor nicht das allerbeste.

GreenSeconds: Hat der WWF schon konkret auf ihre Vorwürfe geantwortet?

Hr. Huismann: Der WWF hat in Presseerklärungen und im „Faktencheck“ geantwortet und meine Arbeit als „schlampige Recherche“ abqualifiziert. Er antwortet mit Demagogie und Diffamierung, von Selbstkritik ist nichts zu spüren- leider

GreenSeconds: Welche Aktionen planen sie im Bezug auf den WWF oder anderen NGO’s?

Hr. Huismann: Ich habe eigentlich alles gesagt, was ich über den WWF weiß und recherchiert habe. Das Buch ist in der Welt und man kann drüber diskutieren. Weitere Recherchen habe ich nicht vor, auch nicht über andere NGOs

GreenSeconds: Sie schreiben in ihrem Buch: Der WWF akzeptiert ,dass in einer vermeintlich als nachhaltig zertifizierten Plantage, der Verbleib von nur 0,5% Naturwald (in diesem Fall 80 ha) ausreichen könnte.
Der WWF hingegen: Die Gesamtgröße der Plantage beträgt 13.790ha. Nach Angaben von Wilmar entsprechen 4.961ha (=36%) davon besonders schützenswertem Gebiet. Doch ihre Angaben werden von Dörte Bieler im Video nicht als falsch bezeichnet!

Hr. Huismann: Die Diskrepanz bei den Zahlenangaben liegen auch daran, dass der  vom WWF mitgegründete Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) eine recht seltsame Definition von „Naturwald“ hat. Die Definition von HCV (High Conservation Value) –Flächen schliesst Flächen von Seen, Flüssen und Sümpfen mit ein; auch die Wirtschaftswälder der Dörfer in der Konzession werden einfach mitgezählt, ebenso Friedhöfe und andere kulturell wichtige „Baudenkmäler“.

Die 4961 Hektar, die der WWF erwähnt, sind außerdem nur eine Empfehlung an den Konzern- er muss das nicht machen. Wirkliche Waldflächen gibt es in der Tat nur wenige, das haben wir bei den Dreharbeiten selbst sehen können. Ich behaupte auch gar nicht, dass es nur dieses armselige 80-Hektar-Wäldchen gibt; im Gegenteil. Im gleichen Kapitel beschreibe ich einen anderen HCV-Wald ganz in der Nähe und auf der gleichen Plantage, der gerade brennt. Es wird offensichtlich weitergerodet, trotz der Zusagen des Konzerns an den WWF.

GreenSeconds: Wieso haben sie sich den WWF ausgesucht? Gab es vorher schon Anzeichen auf Green-Washing?

Hr. Huismann: Ich bin über den WWF gestolpert, als ich einen Film über die industrielle Lachszucht gemacht habe- eine riesige Sauerei. Da werden tonnenweise Chemikalien ins Meer gekippt, auch Antibiotika;  und die Exkremente der Tiere verseuchen die Fjorde, vor allem in Chile. Vor allem fressen Lachse Futter  aus Fischmehl-und Fischöl. Für die Herstellung von 1 Kilo Lachs müssen 5 Kilo Wildfische getötet und zu Fischmehl verarbeitet werden. Das ist das Gegenteil von nachhaltig. Bei den Recherchen haben wir dann festgestellt, dass der WWF mit dem Welt-größten Player der Lachszucht, einen Partnerschaftsvertrag hat, mit dem norwegischen Konzern Marine Harvest; und dass dieser Konzern beim WWF Norwegen die Planstelle für die Biologin zahlte, die für die Kritik an der Lachsindustrie zuständig  war. Da habe ich gedacht: entweder ist das ein extremer Einzelfall von Käuflichkeit, oder das Ganze ist ein verborgenes Geschäftsmodell. Leider hat sich die zweite Annahme bestätigt.

GreenSeconds: Was wollen sie mit ihrem Buch Schwarzbuch WWF erreichen/ was haben sie erreicht?

Hr. Huismann: Den Menschen die Augen öffnen. Viele vertrauen allzu leichtfertig der Marke „Panda“.  Das habe ich erschüttert… Außerdem wünsche ich mir im Innern des WWF eine selbstkritische Diskussion. Soweit ich sehen kann, ist das bislang nicht geschehen.

GreenSeconds: Warum glauben Sie, setzt der WWF mit solchen überhaupt nicht nachhaltigen Aktionen seine Glaubwürdigkeit bewusst auf´s Spiel?

Hr. Huismann: Er konnte bislang darauf vertrauen, dass die breite Öffentlichkeit und die Masse der Spender nicht davon mitbekommt, welche Deals der WWF mit großen Konzernen der Energiebranche und des Agrobusiness eingegangen ist.

GreenSeconds: Ist der WWF eine verdeckte Aktion der Agrar-Industrie zum Thema Green-Washing?

Hr. Huismann: Der WWF, vor allem der der USA , kooperiert mit dem größten Gentechnik-Konzern der Erde, Monsanto. WWF-Vizepräsident  Jason Clay unterstützt ganz offen die Monsanto-Pläne, riesige Flächen in Asien , Afrika und Lateinamerika zum Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen umzuwandeln- zum Beispiel für die Herstellung von Biosprit (Soja und Zuckerrohr) Der WWF gibt seinen Segen dafür und behauptet, diese Produktion sei „nachhaltig“ möglich. Ich sage, das ist Etikettenschwindel.

Diese industrielle Landwirtschaft, die von wenigen Konzernen, wie Monsanto, beherrscht wird, zerstört die Wälder, die Äcker der Kleinbauern in der Dritten Welt, sie führt zu einem dramatischen Anstieg von klimaschädlichen Gasen und zur Vertreibung indigener Völker. Die  Verdrängung der Kleinbauern führt dazu, dass die Lebensmittelpreise dramatisch steigen – und damit wieder mehr Menschen hungern müssen. Alles nicht nachhaltig, alles Mist.

Hier nochmal besonderen Dank an Herrn Huismann der diesen Dialog erst ermöglicht hat!

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