Costa Rica – Vorreiter im Umweltschutz 4


Herr Tschuck leitet ein Wiederaufforstungsprojekt im Norden Costa Ricas. Er wird uns auch in Zukunft mit Artikeln aus Costa Rica versorgen, die ich hier veröffentlichen werde. Darin berichtet er über seine Erlebnisse sowie Probleme und Highlights aus Costa Rica. Bemerkenswert ist, dass die Paten jedes Jahr ein Foto von ihrem eigenen Baum erhalten unter anderem ist man jederzeit eingeladen, ihn auf seiner Plantage zu besuchen, sollte man mal in der Gegend sein. Hier jetzt ein kurzer Überblick von der Lage in Costa Rica.

Costa Rica kann mit einer bemerkenswerten Liste aufwarten, wenn es um Umweltschutz geht:

–       Etwa 25% des Landes steht unter speziellem Schutz oder wird als Nationalpark geführt. (1)

–       Das Land beherbergt 6,2% der weltweiten Biodiversität, ist aber nur ein wenig größer als die Schweiz. (1)

–       40% – 50% der Landesfläche sind bewaldet. (1 2)

–       Über 90% der Energie des Landes wird aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Es existieren keine Atomkraftwerke. (  3)

Ein interessantes Detail ist, dass Costa Rica in den 80er Jahren als eines der ersten Länder seine Außenhandelsschulden gegen einen Naturerhaltungsfonds umtauschte. Dieses Geld kam den zahlreichen Nationalparks zugute. (4)

Reist man nun aber mit offenen Augen durchs Land, so kann man auch eine Menge unschöner Dinge sehen.

Riesige Areale, wo einst Sekundär- oder Primärregenwald stand, werden gerodet und für andere Zwecke verwendet. Während früher meist für Rinderzucht Regenwald in Wiesen umgewandelt wurde, so sind es heute die Ananas-, Melonen- und Zuckerrohrproduktion, welche den Regenwald zurückdrängen.

 

Ananas Plantage bei Bijagua mit Warnhinweis.
„Vorsicht – Bereich mit häufiger Anwendung von Agrarchemikalien – Betreten verboten“

Man muss zwar lobend anerkennen, dass es Costa Rica geschafft hat, den Anteil an Waldflächen in den letzten Jahrzehnten zu erhöhen. Immerhin betrug das Wachstum der bewaldeten Fläche zwischen 2000 und 2010 etwa 1,5% jährlich. In den Jahren zuvor lag der Verlust der bewaldeten Fläche bei etwa 3,5% jährlich. (5)

Allerdings sagt dies nichts über die Qualität des Waldes aus. Es kann sich bei dem Wachstum also auch um Aufforstung von Monokulturen zwecks Holzherstellung handeln, welche nach 5-10 Jahren wieder gefällt werden. Im Vergleich zu Primärwäldern sind diese nicht sonderlich wertvoll, können aber wohlmöglich zumindest die Nachfrage nach Holz befriedigen, so dass kein weiterer Einschlag an Primärwäldern erfolgen würde.

Des Weiteren ist Costa Rica der weltweit größte Importeur von Agrarchemikalien. (6)  Und in der Tat, wer sich vor Ort mit Bauern unterhält, kann leicht den Eindruck bekommen, als hätten sie einen Lehrgang der chemischen Industrie besucht. Wie aus der Pistole geschossen werden für jedwede landwirtschaftliche Plage chemische Mittel zur Bekämpfung aufgezählt.

Der großflächige Einsatz von Chemikalien vergiftet das Grundwasser und verursacht Gesundheitsbeschwerden bei den Arbeitern und Anwohnern. (6) Es hat sich zwar herumgesprochen, dass der Chemikalieneinsatz für Personen gefährlich sein kann, aber oft lassen sich Bauern durch die Zahlung des 2,5-fachen Lohnes doch zum Ausbringen der Produkte überzeugen.

Anzumerken wäre noch, dass ein Grossteil der hier erwähnten Früchte für den Export bestimmt sind. D.h. wäre Costa Rica Selbstversorger, würde es wohlmöglich gar nicht so viel Landesfläche für dererlei intensive Produktion nutzen müssen. In Flussbetten findet man häufig Müll und Unrat in großen Mengen.

In der Regenzeit führt dies zu Verstopfungen, zu erhöhter Erosion und Schäden an angrenzenden Konstruktionen wie Häusern oder Brücken.

Oftmals existieren auch keine Abwasserkanäle, so dass Abwässer aus Dusche und Waschmaschine direkt in die Flüsse geleitet werden. Für Fäkalien kommen üblicherweise Sickergruben mit Plastiktank zum Einsatz.

Man kann also sehen, dass Umweltschutz in Costa Rica ein zweischneidiges Schwert ist. Der für mich entscheidende Punkt, warum Costa Rica trotzdem führend im Umweltschutz ist, ist ein anderer. Costa Ricaner verbrauchen pro Kopf um einiges weniger an Ressourcen als Bewohner in Industrieländern.

Der Wohnraum, der pro Person belegt wird, ist geringer und die Häuser sind weniger aufwändig konstruiert. Schließlich braucht man keine Isolation und keine Heizung.

Typische Familienwohnhäuser in Costa Rica mit Zinkdach.

Typische Familienwohnhäuser in Costa Rica mit Zinkdach.

In Zentraleuropa nimmt der Hausbau eine entscheidende Rolle beim Ressourcenverbrauch ein. So war in Österreich im Jahr 2001 56.6% des Abfalls durch Baumassnahmen verursacht. 7  Generell unternehmen Costa Ricaner weniger Fernreisen und besitzen weniger Kraftfahrzeuge. (Costa Rica für 2010: 177 pro 1000 Einwohner; Deutschland für 2010: 512 pro 1000 Einwohner) 8 Außerdem sind exotische Speisen aus fernen Ländern eher selten auf dem Essenstisch zu finden. Die Bereitschaft, gebrauchte Dinge zu nutzen bzw. defekte Geräte zu reparieren ist weit ausgeprägt.

Dieses für das Überleben unseres Planten und letztlich für die Menschheit vorbildliche Verhalten wird allerdings nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Alternativen gelebt. Die ökonomische Situation vieler Bewohner Costa Ricas lässt keinen verschwenderischen Lebensstil zu.

Dies tut aber der Zufriedenheit der Bewohner keinen Abbruch. So liegt Costa Rica beim Happy Planet Index weit vor Industrienationen, da es das Land schafft aus relativ wenigen natürlichen Ressourcen eine hohe Lebenserwartung mit vielen glücklichen Lebensjahren zu kreieren. (10)
Artikel verfasst von A. Tschuck

Plantaciones Edelman Costa Rica

Weitere Infos zu den Baumpatenschaften unter:

http://www.plantacionesedelman.com/werde-baumpate/

Quellenangaben:

[1] http://www.cbd.int/countries/profile/?country=cr
[2] http://wvw.elfinancierocr.com/ef_archivo/2010/marzo/28/economia2315292.html
[3] http://www.cinde.org/downloads/2011/solar.pdf
[4] http://es.wikipedia.org/wiki/Parques_nacionales_de_Costa_Rica#Canjes_de_deuda_por_naturaleza
[5] http://foris.fao.org/static/data/fra2010/FRA2010GlobaltablesEnJune29.xls
[6] http://www.npla.de/es/poonal/3493-spitzenreiter-beim-einsatz-von-pestiziden
[7] Friedrich Schmidt-Bleek “Der ökologische Rucksack”, 2004, S. 135
[8]http://data.worldbank.org/indicator/IS.VEH.PCAR.P3
[9]http://awsassets.panda.org/downloads/1_lpr_2012_online_full_size_single_pages_final_120516.pdf
[10]http://www.happyplanetindex.org/countries/costa-rica/

 

 


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4 Gedanken zu “Costa Rica – Vorreiter im Umweltschutz

  • Patricia

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  • Pauline

    nachdem lesen des artikels habe ich mir die seite durchgelesen, der artikel ist gut geschrieben.
    ich habe meiner freundin eine baumpatenschaft im regenwald zum geburtstag geschenkt. sie hat sich ganz doll gefreut und ist überzeugt davon. wen es nur mehr projekte wie dieses gäbe…
    danke niklas, das du uns solche infos hier lieferst. der artikel mit dme affentopfbaum ist auch geil!!
    GLG, Pauline

  • Peter Gabler

    Ich finde es gute Aufklärung mit dem Artikel.
    Man denkt immer in Deutschland wär der Umweltschutz besser. Stimmt aber nicht!
    Deutsche konsumieren zu viel! Verbrauchn zu viel und geben zu viel CO2 aus!

  • Juan

    Eine solide Analyse der Situation in Costa Rica. Freundlich, dass Quellen angegeben wurden.
    Gute Arbeit. Hoffentlich werden es viele lesen.
    Werde mir die Seite mit den Baumpatenschaften ansehen.
    Danke!!

    Juan