Auf der Jagd nach dem Affentopf


Im Rahmen des Wiederaufforstungsprogrammes gehört die Akquise von Samen seltener Bäume zu unserem täglichen Brot.
Meist findet man Samen oder Setzlinge in der näheren Umgebung.Es gibt aber auch Baumarten, die so selten vorkommen, dass man entweder eine längere Suche auf sich nehmen muss oder – und auch das nur mit Glück – bei spezialisierten Baumschulen für horrende Preise erwerben muss.

Der Affentopfbaum ist ein solcher Baum. Er ist nicht nur selten, sondern auch spektakulär.
Seine Frucht ist ein aus Holz geformter Topf mit passendem Deckel. Leicht erreicht so ein Topf, üblicherweise in etwa 20-30m Höhe hängend, 3-4 Kilo an Gewicht.
Im Inneren des Topfes befinden sich essbare Samen.

GreenSeconds Soweit die einleitende Erklärung, mit welcher das nachfolgend geschilderte Abenteuer besser nachvollzogen werden kann.

Eines Tages also berichtete mir Don Tino, ein treuer Mitarbeiter und Unterstützer, dass bei einem entfernten Verwandten Affentopfbäume stünden.
Der Verwandte habe sogar viele Setzlinge am Boden gesehen, ließ selbiger fernmündlich verlauten. Am nächsten Tag machten wir uns also zu zweit auf meinem Motorrad samt einer großen Plastikkiste auf dem Gepäckträger zur Erleichterung des Abtransports möglicher Fundsachen ins etwa 3 Stunden entfernte Pital auf.
Dort angekommen verständigte Don Tino seinen Kontakt namens Jose, welcher kurz darauf erschien.
Er stellte sich vor und erklärte sich bereit, uns zum Affentopfbaum zu führen. Zuvor erbat er sich allerdings noch 3000 Colones (etwa 5 Euro) von mir, um Zigaretten zu kaufen.
Eigentlich kostet eine Packung hier doch etwas weniger dachte ich mir, aber gut. Immerhin würde er uns ja zum Affentopfbaum führen.
Nach Erhalt der Zahlung verschwand er erstmal und tauchte für gut und gerne 40 Minuten lang unter.
Don Tino rief in mehrmals an und er sagte, er komme gleich.

 

8398150865_3fdccd6085_kEs stellte sich heraus, dass unser Führer die 3000 Colones in einer Bar angelegt hatte und sich ein paar Gläschen Branntwein genehmigt hatte.
Als er dann endlich erschien, hatte er sich eine Flasche „Cacique“ Schnaps mitgebracht – als Wegzehrung.

Daraufhin fuhren wir auf dem Motorrad und er mit dem Fahrrad zu ihm nach Hause. Bis heute weiß ich nicht genau, was wir dort machten. Jose jedenfalls verschwand mit Don Tino für weitere 40 Minuten in seiner Behausung. Sie unterhielten sich mit Joses Frau und ich hörte mir die Lebensgeschichte Joses Vaters an, welcher vorm Haus saß.

Nicht mehr ganz Herr seiner Sinne, führte uns Jose hiernach endlich zum Baum, der etwa 5 Km entfernt lag.
Tatsächlich handelte es sich um ein stattliches Exemplar des Lecythis Ampla, wie der Baum auf Latein genannt wird.
Allerdings machte sich etwas Enttäuschung breit, als wir weit und breit weder Setzlinge, noch Samen fanden.

Wie sich später herauskristallisierte hatte Jose diese Setzlinge wohl in 100 Km Entfernung gesehen.
Aber er kam sogleich mit einem Plan B um die Ecke geschossen, nicht ohne, dass er sich zuvor einen weiteren Schluck „Cacique“ genehmigte.
Er wollte uns zu der Ananasplantage führen, wo er arbeitete. Dort sei noch ein Affentopfbaum und vielleicht habe dieser Samen.

Freilich erschien uns dieser Plan sinnvoll und so übernahm Don Tino das Fahrrad von Jose. Letzterer stieg bei mir auf dem Motorrad auf und wir fuhren nur 10 Minuten durch die sengende Hitze Pitals. Als wir beim bewachten Eingang der Ananasplantage ankamen, sollten wir aber nochmals enttäuscht werden, denn der Wächter ließ uns ohne Genehmigung nicht herein und Betrunkene hätten ohnehin keinen Zutritt. Beinahe hätte es sich Jose wegen Alkoholikerpöbeleien mit dem Wachmann verscherzt, was für ihn dienstrechtliche Konsequenzen hätte nach sich ziehen können.

So mussten wir also unverrichteter Dinge und mit einem stark alkoholisierten Führer den Rücktritt antreten. Wir entschieden uns dazu, Jose auf dem Rad fahren zu lassen, ihm mit dem Motorrad von hinten Geleitschutz zu geben und die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer zu warnen.
Dies war keine leichte Aufgabe, weil er unterwegs anhielt oder Anstalten machte, anderswo einzukehren. Einmal zog er sogar sein Messer während er radelte und fuchtelte damit in der Gegend herum.

Letztlich brachten wir ihn aber sicher zurück nach Pital, wo er nochmals um Geld bat, was ich ihm allerdings verweigerte.
Schließlich kam es unterwegs zum Rollentausch und plötzlich waren wir die Führer wider Willen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf eigene Faust auf die Suche und fanden ein uraltes Prachtexemplar des Baumes mit einigen intakten Töpfen mit Samen.
Auf diese Weise hatte die Jagd nach dem Affentopf doch noch ein glückliches Ende.

A. Tschuck

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